von Peter Stadler
Inhaltsverzeichnis
Vor kurzem konnte die Sammlungsdatenbank der Prähistorischen Abteilung - der einzigen Bundessammlung und gleichzeitig der größten Sammlung ur- und frühgeschichtlicher Fundobjekte - fertiggestellt werden. Die Eingabezeit konnte durch Beachtung grundlegender Überlegungen und durch Einsatz des von uns entwickelten Eingabeprogrammes mit Thesaurusfunktion - InputMachine - von prognostizierten 25-40 Mannjahren auf 1.25 Mannjahre reduziert werden. Wir stehen nun vor der Entscheidung, sie einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Wünschenswert wäre auch eine Verknüpfung mit Datenbanken anderer Museen oder der - in Entstehung befindliche - Fundstellendatei der Bodendenkmalpflege des Bundesdenkmalamtes.
Es wird auch darzustellen versucht, daß die zu planende
Eingabe der anderen Sammlungen mit prähistorischen Funden, ob nun
die Sammlung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität
in Wien oder die Sammlungen in Landes- oder Heimatmuseen, nicht nur von
unseren Erfahrungen profitieren könnten, sondern auch eine Aufnahme
unter Verwendung desselben Thesaurus eine gemeinsame Nutzung aller Datenbestände
ermöglichen würde.
Zu Beginn unserer Arbeit stellte sich die Aufgabe, die
Sammlung der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums
in einer Datenbank zu erfassen. Diese Sammlung umfaßt etwa 100000
Inventarnummern und ist in über 31 handgeschriebenen Inventarbüchern
von 1870 bis heute erfaßt worden. Für das Abschreiben der Bücher
wurde eine Zeit von ca. 50000 Arbeitsstunden prognostiziert. Damit wäre
aber noch keine Standardisierung - also die konsistente Verwendung von
immer den gleichen Vokabeln für die gleichen Objekte - gewährleistet.
Zum Zeitpunkt des Beginns unseres Projektes gab es kein
Beispiel, in dem es gelungen war, komplette Sammlungen großer Museen
zu erfassen. Vielmehr gab es eine Warnung durch das zum damaligen Zeitpunkt
wohl als gescheitert geltende gemeinschaftliche Projekt des Helms-Museums
in Hamburg, des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums für Vor- und
Frühgeschichte in Schleswig und des Museums für Vor- und Frühgeschichte
Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin . So wurde dort
in gewohnt "Deutscher Gründlichkeit" versucht, einen Maximalkatalog
für jedes Objekt zu erstellen. Dieses Projekt veranlaßte uns
aus den Fehlern anderer zu lernen. So meint Wolters zu diesem Projekt abschließend,
daß es wohl nicht sinnvoll ist, diesen Maximalkatalog zu erfassen,
sondern sich auf essentielle Daten zu beschränken.
Deshalb wurde 1985 - zu einer Zeit als von Windows noch
keine Rede war - ein Programm mit Namen InputMachine entwickelt, das folgendes
gewährleisten sollte:
Das Programmpaket InputMachine wurde entwickelt, um Inventardatenbanken
möglichst schnell erstellen zu können. Hochrechnungen der Eingabezeit
mittels konventioneller Eingabemasken von herkömmlichen Datenbankprogrammen
wie DBASE, die alle Eingaben als Tipparbeit erwarten, ergaben fast aussichtslos
lange Dauer von bis zu 40 Mannjahren, je nach Größe der Datenbank.
Projekte, bei denen soviel Arbeitszeit prognostiziert wurde, blieben schon
meist in der Entwicklungsphase stecken.
Deshalb wurde hier ein Programm entwickelt, daß
beliebige Thesauri verwalten kann. Die Eingabe selbst erfolgt nur über
Auswahl der Vokabel am Bildschirm entweder über die Tastatur oder
über die Maus.
Folgende Punkte erwiesen sich als notwendig:
Unter Verwendung von InputMachine
und unter Einhaltung des Minimaldatensatzes wurde die Eingabezeit auf 2500
h, etwa 1.25 Mannjahre reduziert, also auf etwa ein Zwanzigstel des ursprünglich
prognostizierten.
Jede Objektbeschreibung kann durch Benutzung der Vokabel aus einem hierarchisch angeordneten Wörterbuch (= Thesaurus) erfolgen. Aufgabe bei der Planung einer Datenbank ist es nunmehr die optimale Struktur des Thesaurus zu ermitteln. Dieser kann auch - was in der Praxis tatsächlich häufig vorkommt - später noch weiter ausgebaut und vergrößert werden.
InputMachine liegt derzeit nur als MS-DOS-Version vor. Eine Windows 95/NT Version wird vorbereitet. Es ist geplant, diese dann als ShareWare-Programm allgemein zur Verügung zu stellen. (Stand vom November 1997)
Außer der Sammlung der Prähistorischen Abteilung
des Naturhistorischen Museums mit der weitaus größten Sammlung
Österreichs, wurde bereits auch die Sammlung des Höbarthmuseums
in Horn mit InputMachine erfaßt. Somit ist diese Datenbank weitgehend
kompatibel zur Datenbank der PA. Abfragen lassen sich über beide Sammlungen
in völlig gleicher Weise durchführen.
In Hinblick auf die sinnvolle gemeinsame Nutzung aller Datenbestände der Heimatmuseen mit ur- und frühgeschichtlichem Fundmaterial, wäre es empfehlenswert, den gleichen Thesaurus auch bei der zukünftigen - also noch nicht begonnenen - Eingaben zu verwenden.
Selbstverständlich erhebt die Datenbank für die Museumsinventare keinen Anspruch darauf, eine wissenschaftliche Datenbank zu sein. Sie ist vielmehr ein Grundgerüst, das zukünftig weiter ausgebaut werden kann. Darüberhinaus wurden mit InputMachine bereits eine Reihe anderer, von einer Inventardatenbank unabhängiger wissenschaftlicher Datenbanken erfaßt, wobei sich die freie Gestaltung des Thesaurus mit bis zu 100000 Vokabeln als besonders vorteilhaft erwies:
Hier liegen bereits Datenbanken der verschiedensten Zeitstufen
vor:
Durch die Eingabe mit InputMachine erhält man verschiedene
Resultate:
Dieses Programm dient zur rationellen Eingabe von thesaurierten
Daten. Folgende Reihenfolge sollte eingehalten werden:
z.B.
InventarisierungsThesaurus
Datierung
Frühmittelalter
langobardisch
awarisch
frühawarisch
spätawarisch
Befund
Siedlung
Gräberfeld
u.s.w.
z.B.:
Frühmittelalter
langobardisch
awarisch
frühawarisch
spätawarisch
z.B.:
Gegenstand
.....
Material
.....
Datierung
.....
Befund
.....
Zustand
.....
z.B.:
Inventarnummer
Fundort
Finder
Der Bildschirm ist nun in zwei Fenster aufgeteilt. Im
oberen sieht man den Thesaurus, im unteren anfänglich die Eingaben
des letzten Datensatzes, die aber während der Auswahl aus dem Thesaurus
durch die neuen Begriffe ersetzt werden.
Sodann beginnt die Abfrage der thesaurierten Daten. Dabei
bestehen 3 Möglichkeiten.
Nach Auflistung sämtlicher Kategorien besteht die
Möglichkeit einer Korrektur, mit dem nächsten Objekt fortzusetzen
oder abzubrechen.
Den kompletten Thesaurus zur Inventarisierung der Sammlung
der PA/NHM findet man hier.